Versonnen nehmen sie die
edlen Haltungen
der großen Sphinxe ein,
die ausgestreckt
in tiefen Einsamkeiten ruhen
und zu entschlummern
scheinen
in endlosem Traum.

Charles Beaudelaire


Katze in der leeren Wohnung

Sterben - das tut man einer Katze nicht an.
Denn was soll eine Katze
in einer leeren Wohnung.
And den Wänden hoch,
sich an Möbeln reiben.
Nichts scheint sich hier verändert zu haben,
und doch ist alles anders.
Nichts verstellt, so scheint es,
und doch alles verschoben.
Am Abend brennt die Lampe nicht mehr.

Auf der Treppe sind Schritte zu hören,
aber nicht die.
Die Hand, die den Fisch auf den Teller legt,
ist auch nicht die, die es früher tat.

Hier beginnt etwas nicht
zur gewohnten Zeit.
Etwas findet nicht statt,
wie es sich gehört hätte.
Jemand war hier und war,
dann verschwand er plötzlich
und ist beharrlich nicht da.

Alle Schränke durchforscht.
Alle Regale durchlaufen.
Unter den Teppichen geprüft.
Trotz des Verbots
die Papiere durchstöbert.
Was bleibt da noch zu tun.
Schlafen und warten.

Komme er nur,
zeige er sich.
Er wird's schon erfahren.
Einer Katze tut man so etwas nicht an.
Sie wird ihm entgegenstolzieren,
so, als wolle sie es nicht,
sehr langsam,
auf äusserst beleidigten Pfoten.
Noch ohne Sprung, ohne Miau.

Wislawa Szymborska [Übersetzt von Karl Dedecius]



Tier und Mensch

So viele Jahre ohne Tier schon:

Kein Klagen an der Tür, kein Grüßen
Kein sehnsuchtsvoller Blick, kein Drängen
Kein Streichen um das Bein, kein Schnurren
Kein selbstvergeßnes Mahl, kein Lecken
Kein traumverlornes Ruhn, kein Schlummern -

So viele Jahr schon gar kein richtiger Mensch mehr.

Robert Gernhardt


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