Candida Clark: Ein letzter Blick

Es ist die Geschichte eines einzigen Wochenendes, doch eines Wochenendes das wie eine Naturkatastrophe in das Leben der beiden Hauptpersonenen, aus deren abwechselnder Sicht die Geschehnisse erzählt werden, hereinbricht.

Äußerlich geschieht nicht viel an den beiden Tagen, an denen ein alter Schriftsteller, der nur noch wenige Monate zu leben hat von seinem Verleger besucht wird, in dessen Begleitung sich eine junge Autorin befindet. Doch bereits die erste Begegnung entfacht in beiden eine tiefe Leidenschaft, die sie ihr gesamtes weiteres so unterschiedlich langes Leben nie wieder loslassen wird.

In der Anwesenheit des dritten schwelt die Glut nur im Verborgenen, lodert nur in raren Blicken und Gesten auf, entlädt sich schließlich doch in einer einzigen stürmischen Nacht, die den beiden bleibt, und in der sie sich sehen, wie sie beide nie zuvor in ihrem Leben gesehen wurden.
Als die Frau am nächsten Tag wieder abreist, sehen sie sich nie wieder. Doch beide werden nicht vom anderen loskommen. Von ihr verhext sind für den alten Schriftsteller seine letzten Tage, an denen er seinen Kummer und sein Glück darüber, eine ganze Welt, die ihm bislang verborgen geblieben war, erst so kurz vor seinem Tode entdeckt zu haben, in Alkohol ersäuft.

Auch in zahllosen erotischen Affairen und vier Ehen vermag die Frau dieses Wochenende nicht auszulöschen und widmet dem Angedenken ihr weiteres Leben, in dem sie den einzig Geliebten wieder und wieder in ihren eigenen Romanen auferstehen läßt. Von ihm hat sie gelernt, das Leben als nichts anderes als eine Materialsammlung für das Schreiben zu begreifen. Und erst in ihren letzten Minuten verläßt er sie wirklich auch in ihren Gedanken nach einem letzten Blick.

Candida Clarks Debüt beschreibt diese obsessive Liebe in intensiven Bildern und einer sensuellen Sprache, die einen mit sich reißt wie ein Strudel, in dem man zu ertrinken meint. Ein kleines Juwel der Leidenschaft, Erotik und Poesie.