Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein



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"Ich probiere Geschichten aus wie Kleider", bekennt Frisch in seinem Spätwerk "Montauk". Nirgends tut er das so radikal wie in diesem Roman.
Nicht das gelebte Leben interessiert den namenlos bleibenden Erzähler, sondern das Spiel mit den Möglichkeiten, die Erprobung verschiedener Identitäten, mit denen er seine gescheiterte Ehe mit Lila zu ergründen sucht, um die sich alle Rollen ranken.
Da ist Enderlin, der Lila kennenlernt, als er ein Interview mit ihrem Mann führen will. Distanziert steht der Erzähler neben ihm, als sich die immer gleiche Geschichte des Näherkommens abspielt, die doch letztlich, so weiß er resigniert, nie zu etwas anderem führt, als wieder älter geworden zu sein.
Da ist Svoboda, Lilas Ehemann, der spürt, wie ihm seine Frau allmählich entgleitet, und der sie gerade in seiner Verzweiflung um dieses Wissen dem Nebenbuhler Enderlin in die Arme treibt.
Und da ist Gantenbein, der sich hinter einer dunklen Sonnenbrille und einer Blindenbinde verschanzt. Nur in dieser Rolle ist es möglich, alles zu sehen und doch auf nichts reagieren zu müssen, zu leben in einem paradiesischen Zustand der Unschuld. Und nur in dieser Rolle scheint es möglich, Lila wirklich zu lieben, indem sie ermöglicht, über alle Schwächen hinwegzusehen, indem sie jede Eifersucht unterbindet, indem sie auch Lila erlaubt, ihrerseits vor dem Blinden eine Rolle zu spielen.
Erst mit der Aufgabe der Rolle des Blinden scheitert letztlich auch dieser Versuch der Nähe zu Lila. Was bleibt ist ein Puzzle an Möglichkeiten, eine Vielzahl von erlebten, erfundenen und gespielten Biographien, die letztlich doch alle vor der Realität resignieren müssen.