Wilhelm Genazino: Das Licht brennt ein Loch in den Tag
Er fürchtet sich davor, eines Tages ohne Erinnerung zu sein, im Gefühl, in seinem Leben nichts erlebt zu haben und etwas Schönes schon gar nicht, der Ich-Erzähler, der darum auf die Idee verfällt, seine Erlebnisse in Briefen an seine Freunde zu verteilen, damit er beim Verlust seiner eigenen Erinnerung auf deren Gedächntnisse zurückgreifen kann.

Diese Konstellation nimmt Genazino zum Anlaß, seine üblichen irritierenden Beobachtungen dem Leben abzulauschen. Doch ähnlich, wie der Erzähler sich vor der Auflösung seines Gedächtnisses fürchtet, so verflüchtigt sich nach inspiriertem Ansatz gegen Ende auch der Roman in der Beliebigkeit der Mosaiksteine, die Genazino nicht zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzufügen vermag.

Übrig bleiben dennoch die Beobachtungen eines Menschen, der staunend vor der Welt steht und ihren Lauf nicht zu fassen vermag, immer wieder schwankend zwischen enttäuschter Zurückweisung des Lebens und seiner Liebe zu ihm.

Ich denke, eine umgebaute Erinnerung ist nichts weiter als ein Versteck, vielleicht das beste, was es für uns gibt, weil sich sein Ort im Bewußtsein verbirgt, unauffindbar. Erinnerungen sind Spielzeuge, die wir uns selber bauen.

Ich möchte einmal aufhören dürfen, über mein Leben nachzudenken. Aber offenbar ist das niemandem erlaubt.

Es ist die von uns immer wieder hinausgeschobene Entscheidung, ob wir uns zu leben trauen sollen oder nicht, und während wir den Entschluß immer wieder verzögern, haben wir erneut ein Stück weitergelebt, undeutlich und ein bißchen unfreiwillig wie meistens.

Ich wollte den Tomaten irgendwie danken, aber wie dankt man Tomaten?

Niemals werden sie sich für mein Leben interessieren. Und wie wichtig es ist, daß ich ihnen so fern bin wie ein Mond.

Es sieht so aus, als hätte der Vogel soeben bemerkt, daß man nicht nur fliegen, sondern auch nachdenken kann, sogar als Vogel.