Julian Barnes: Liebe usw.
Ein Buch, das denselben Titel trägt, wie der Film zum Vorgänger des Buches - wem das zu kompliziert ist, der wird auch Mühe haben, dem verschlungenen Beziehungsgeflecht in Julian Barnes Roman "Liebe usw." zu folgen.

10 Jahre sind vergangen, 10 Jahre die an den Protagonisten von Julian Barnes "Darüber reden" nicht spurlos vorüber gegangen sind, 10 Jahre seit Gillian erst den biederen Bankangestellten Stuart und kurz darauf seinen exzentrischen Freund Oliver geheiratet hat. Doch als Stuart jetzt aus Amerika, wo er "sein Glück" und Geld gemacht hat, zurückkehrt, scheinen sich die Rollen der alten Freunde umzukehren. Der ehemals überlegene Oliver fühlt sich als Versager, sein Witz weicht einer tiefen Depression. Und mehr und mehr drängt Stuart, der seine Liebe zu Gillian wie den Verrat Olivers nie überwunden hat, sich in die Ehe der beiden und seinen alten Freund an die Wand.

Der Roman hat einen Teil der Leichtigkeit seines Vorgängers eingebüßt. Die Figuren sind gealtert und scheinen desillusionierter, nicht mehr auf der Suche nach dem großen oder kleinen Glück, doch vielleicht gerade darum um so anfälliger gegen die vermeintlich begrabenen Sehnsüchte...
War es nötig, die Geschichte von Stuart, Oliver und Gillian weiterzuspinnen? Nicht wirklich. Gelingt es Barnes wenigstens, die alte Handlung ohne größere Brüche aufzunehmen? Durchaus nicht an allen Stellen. Führt er seine Figuren im zweiten Anlauf zu einem schlüssigen Ende? Das genaue Gegenteil ist der Fall: ein offener Schluß läßt gar Raum für eine weitere Fortsetzung.

Und dennoch läßt sich sagen: wer die Figuren, die Form und den Inhalt von "Darüber reden" in sein Herz geschlossen hat, der wird sich auch "Liebe usw." nicht verschließen können. Der Nachfolger ist nicht besser, nicht origineller, nicht wesentlich anders als sein Vorgänger. Doch das vertraute Strickmuster läßt durchaus Raum für eine nett erzählte Geschichte, nein, drei nett erzählte Geschichten, drei Versionen einer Geschichte, die sich erst durch die unterschiedlichen Sichtweisen der drei gegensätzlichen Charaktere zu einem komplexen Ganzen vermengen.

Und wenn er denn mag: Julian Barnes kann in 10 Jahren gerne eine weitere Fortsetzung auflegen. Vielleicht mit dem Namen eines Films, der nach "Liebe usw." gedreht wurde.

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