Cees Nooteboom

Keiner der anderen wird meine Geschichte hören, keiner von ihnen wird sehen, daß die Frau, die da sitzt und auf mich wartet, das Gesicht meiner allerliebsten Kriton hat, des Mädchens, das meine Schülerin war, so jung, daß man mit ihr über die Unsterblichkeit sprechen konnte. Und dann erzählte ich ihr, dann erzählte ich dir

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So endet und so beginnt im Prinzip auch der gleichnamige Roman von Cees Nooteboom, der keinen geringeren Inhalt hat als die zwei großen Themen der Literatur: Liebe und Tod, und der nebenbei ein Exkurs in die griechische Mythologie, in die Philosophie und in das Innenleben eines Menschen ist, der alte Sprachen liebt und alte Bücher und, was er sich sein Leben lang nicht eingesteht, auch einmal einen einzigen Menschen.

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beginnt mysteriös: wieso wacht Hermman Mussert in Lissabon auf, obwohl er doch am Abend wie gewöhnlich in Amsterdam zu Bett gegangen ist? Der Versuch Musserts, sich mit dieser Verschiebung der Realität zurechtzufinden wird zu einer Reise in seine Erinnerung: seine Lieblingsschülerin Lisa d'India, die die einzige war, die ihm im Unterricht in die griechische Mythologie folgte, die Kollegin Maria Zeinstra, der die Liaison mit ihm nur diente, den Sportlehrer Arend Herfst eifersüchtig zu machen, der schließlich seinerseits eine Affaire mit der jungen Lisa hatte und schuld war an ihrem Tod.
Im zweiten Teil des Buches befindet sich Mussert zusammen mit sechs anderen Passagieren an Bord eines Schiffes mit Fahrt zu einem unbekannten Ziel. Sie alle erzählen einer Frau, die für jeden ein anderes Gesicht hat, die Geschichte ihres Lebens. Und als Mussert als letzter an der Reihe ist, blickt er in das Gesicht Lisa d'Indias...