Julian Barnes: Darüber reden

Es ist eine klassische Konstellation, die Julian Barnes zum Ausgangspunkt seines Romanes "Darüber reden" wählt: eine Frau, die zwischen zwei Männern, zwei Freunden steht.

Doch die Form der Umsetzung ist es, die Barnes Roman besonders macht: die Handlung wird nicht von einem Erzähler, sondern von den drei Protagonisten im Wechsel vorgetragen. Drei völlig unterschiedliche Menschen erzählen ein und dieselbe Geschichte aus drei verschiedenen Blickwinkeln, sehen die Dinge bis hin zu farblichen Details mit ihren eigenen Augen, und verraten in ihrer ureigenen Beschreibung ihrer wechselseitigen Beziehungen vor allem etwas über sich selbst.

In der Form des Romans wird der Leser direkt angesprochen, wird zum Gegenüber der einzelnen Figuren, zum Vertrauten, zum Mitwisser. Und er erfährt dieselbe Geschichte aus drei verschiedenen Mündern, als da wären: der nüchterne, drög wirkende Bankangestellte Stuart, der unkonventionelle, übersprudelnde Schwerenöter Oliver, und die leise, zurückhaltende Gillian, die sich in erster Linie gegen alle Bilder, die von ihr entstehen zur Wehr setzt.

"Darüber reden" - das ist es, was die drei Hauptfiguren das Buch über tun: über die alte Freundschaft der zwei so unterschiedlichen Männer, über das vernünftige Kennelernen von Stuart und Gillian auf einer Single-Party, über einen kurzen unbeschwerten Sommer zu dritt, über die unterschiedlichen Gefühle am Tag der Hochzeit: ein stolzer Stuart, endlich auf der Sonnenseite des Lebens angelangt, eine leise, unsichere Gillian, ein verzweifelter Oliver, der eben begriffen hat, daß er sich in die Frau seines Freundes verliebt hat, über Olivers zähes und rührend clowneskes Werben, über Gillian, die nicht wahrhaben will, daß sie die Hochzeit vor schwankenden Gefühlen nicht feit, über Stuart, für den eine Welt zusammenbricht, über...

Die Form des Erzählens macht Barnes Roman leicht, unterhaltend, manchmal etwas geschwätzig. Literarische Kapriolen darf man sich aus dem Mund der drei Protagonisten, vielleicht aber auch aus der Feder des Autors, nicht erwarten. Doch die Figuren berühren, und die Gleichwertigkeit gegensätzlicher Charaktere ist, wenn auch nicht immer durchgehalten, eine interessante (Erzähl-) Haltung, die der altbekannten Dreiecksgeschichte einen neuen Reiz verleiht.

Der Film        Liebe usw.        zurück
Buch oder Film - das ist die alte Frage, die sich auch beim Vergleich von Julian Barnes Roman "Darüber reden" und Marion Vernouxs Verfilmung "Love etc." stellt.

Der Film hält sich eng an den Roman. Aus Stuart wurde Benoît, aus Oliver Pierre und Gillian wurde zu Marie, die Handlung aus England nach Frankreich verlegt, doch viele einzelne Details bis hin zu kompletten Textpassagen lassen sich in Roman wie Film wiederentdecken.

Zwangsläufig ist der Film nur ein Destillat, der Roman kompletter. So erklärt sich der Filmtitel selbst erst aus dem Roman (in wie so oft verunglückter Ironie Olivers als Schlußformel eines Liebesbriefs). Doch das ist auch sein großer Vorzug. Der Film bleibt knapper, karger, wo der Roman leicht ins Geschwätzige abgleitet, kann auch mit Bildern, Andeutungen arbeiten, ohne alles aussprechen zu müssen, mit stimmungsvoller Musik (Joe Dassins "Si tu n'existais pas" und Leonard Cohens schwermütiges "Take This Waltz"). Und schließlich hat er das große Glück auf drei exzellente Schauspieler zurückgreifen zu können, die Barnes manchmal zu klischeehaften Figuren ein komplexeres, zerrisseneres Innenleben oder einfach nur mehr Charme einhauchen.

In jedem Fall ermöglicht der Film all jenen, die das Buch gelesen haben, einen neuen Blick auf die Figuren, und wer den Film in sein Herz geschlossen hat, wird im Buch bisher verborgene Mosaikstücke der "Ménage à trois" entdecken können.