Vladimir Nabokov: Der Späher - Epilog

Kaschmarin hatte noch ein Bild von Smurin mit sich davongetragen. Macht es einen Unterschied, welches? Denn es gibt mich nicht: Es gibt nur die Tausende von Spiegeln, die mich reflektieren. Mit jeder neuen Bekanntschaft wächst die Population der Phantome, die mir ähneln. Irgendwo leben sie, irgendwo vermehren sie sich. Ich alleine existiere nicht.

Und doch bin ich glücklich. Ja glücklich. Ich schwöre, ich schwöre, daß ich glücklich bin. Ich habe eingesehen, daß das einzige Glück dieser Welt darin besteht, zu beobachten, zu spionieren, zu spähen, sich selber und die anderen zu mustern, nichts zu sein als ein großes, leicht glasiges, ein wenig blutunterlaufenes, niemals zuckendes Auge. Ich schwöre, das ist Glück. Was macht es, daß ich etwas schäbig bin, etwas verkommen, und daß niemand all das an mir zu schätzen weiß, was bemerkenswert ist - meine Phantasie, meine Kenntnisse, mein literarisches Talent... Ich bin glücklich, daß ich mich selber anstarren kann, denn jeder Mensch ist fesselnd - doch wirklich fesselnd! So große Anstrengungen sie auch unternimmt, die Welt vermag mich nicht zu kränken. Ich bin unverletzlich. Und was macht es mir, wenn sie einen anderen heiratet? Jede zweite Nacht träume ich von ihren Kleidern und Sachen, die an einer endlosen Wäscheleine des Glücks in einem unaufhörlichen Wind des Besitzes wehen, und ihr Gatte wird niemals erfahren, was ich mit dem seidenen und wollenen Zeug der tanzenden Hexe anstelle. Dies denn ist der Liebe höchste Leistung. Ich bin glücklich - ja, glücklich! Was kann ich denn noch tun, es zu beweisen, wie kann ich verkünden, daß ich glücklich bin? Ach, es hinausschreien, damit ihr alle mir endlich Glauben schenkt, ihr grausamen, ihr selbstgefälligen Menschen...