Carlos Saura
Carlos Saura ist neben Luis Buñuel sicher der bedeutendste
Filmschaffende Spaniens und einer der großen europäischen Filmemacher
der letzten Jahrzente.
Aufgewachsen im faschistischen Spaniens Francos, entwickelte er
seine ganz eigene Filmsprache um mit der allgegenwärtigen politischen
Zensur umzugehen und varbarg versteckte Anspielungen in
verschlüsselten Metaphern und surrealistischen Bilderwelten.
Immer wieder dient ihm eine hierarchisch regierte Patrizierfamilie
als Spiegelbild der in Zwängen erstickenden, innerlich zerfallenden
Gesellschaft der Franco-Ära.
Doch Saura wäre nicht der kunstvolle Regisseur, der er ist, wenn er sich
bloß auf den politische Anspruch verengen ließe. Immer steht bei ihm
im Vordergrund die Genauigkeit der Beobachtung, die Tiefe der Gefühle,
die Poesie der surrealistischen Bilder,
die sich weit über eindimensionale Erklärungsmuster hinaus erhebt.
Und doch haben sich seit dem Tode Francos auch seine Filme verändert,
als hätte Saura mit dem Verschwinden dieser Ära der Unterdrückung
auch einen Teil seiner Wurzeln verloren. Vorbei sind die stillen, dichten,
das spanische Nachkriegsbürgertum sezierenden Kammerspiele der 70er Jahre, die
vor allem vom eindringlichen Spiel Sauras damaliger Partnerin Geraldine Chaplin
lebten. Seit dem Publikumserfolg von "Carmen" fokussiert er sich
vor allem auf den Tanz, den Flamenco als Spiegelbild der
menschlichen Beziehungen.
|