Dieses Licht!
Mitten an einem heißen, trägen Julitag, den der Journalist Diego in seinem Landhaus verbringt, mitten in der Idylle und Harmonie, die er mit seiner Frau Teresa und der kleinen Tochter genießt, mitten in ein unbeschwertes Glück bricht der spanische Bürgerkrieg aus. Als Diego in die Madrider Redaktion gerufen wird, ahnt er nicht, daß es ein Abschied für immer sein wird. Denn während er in der regierungstreuen Hauptstadt eingeschlossen bleibt, flieht Teresa zu ihrer religiös-faschistisch orientierten Familie in die Provinz. Doch dort schlägt ihr, die sich in die alte Engstirnigkeit nicht wieder einfinden kann, nur kaum verhohlene Feindseligkeit entgegen, die in einem tödlichen Verrat mündet. Lebensmüde Verzweiflung treibt Diego an die Front, wo er schwer verwundet wird. Erst Jahre später wird er als gebrochener Mann seine erwachsene Tochter wiedersehen. Zwar vermag er ein Buch über sein Leben zu schreiben, doch darüber reden können wird er nie, und das Buch endet: "Laß es bitte auf sich beruhen. Es tut so weh."
Auch in seinem ersten Roman bleibt der spanische Filmregisseur Carlos Saura seinem großen Thema treu: dem spanischen Bürgerkrieg. Anders als in seinen frühen Filmen, als er unter der Zensur des Franco-Regimes mit versteckten Andeutungen und Symbolen arbeiten mußte, kann er sich dem Thema jetzt frontal nähern. Doch sein Buch ist kein politisches Buch. Vielmehr zeigt er, wie das private Glück einzelner Menschen durch das Inferno eines Krieges, in dem sich Gut und Böse nur zu bald auflösen und einer Spur des Terrors und der Gewalt skrupelloser Mörder weichen, restlos zerstört wird.
Carlos Saura ist ein Meister der Bilder, nicht der Worte. Seine Sprache bleibt hinter der Intensität der Szenen zurück, manchmal klischeehaft, ungebrochen, am stärksten in den Dialogen. Doch Bilder, die den Leser ergreifen und erschüttern, Bilder vermag er zu zeigen, durch das geschriebene Wort so sehr wie durch die Kameralinse.