Nichts besonderes

Bekümmert schaust du mich an. Doch ich lache. Es ist vorbei. Na und? Es ist eben aus. Du spielst nur Theater, die unglücklich Liebende, die die Trennung nicht verwindet. Dabei bist du es doch, die geht. Und während du auf deiner Lippe herumkaust, die Tränen zurückzuhalten suchst, spüre ich nichts, einfach nichts als Gleichgültigkeit.

Es war nichts Besonderes, das zwischen uns. Eine Episode, mehr nicht. Wir sind uns zufällig begegnet als wir zufällig beide in der richtigen Stimmung waren. Nichts danach hat je wieder dieses kurze Auflodern, diesen flüchtigen Moment zurückgebracht. Es war nur noch ein Warten auf das Ende. Das war alles. Mehr nicht. Jede andere Frau wäre genau so gut gewesen. Wenn nicht gar besser. Jede andere.

Du hast einen Neuen. Na und? Mach jetzt bitte keine Szene und verkneife dir doch dieses dämliche Heulen. Es ist aus, wir klappen ein Kapitel unseres Lebens zu, jeder geht jetzt seiner Wege, mehr war nicht.

Du siehst mich nicht an, zerknirscht und voller Schuldgefühle. Eine Weile stehen wir uns schweigend gegenüber. Dann ertrage ich das unwürdige Schauspiel nicht länger und gehe. Mit gekünstelt erstickender Stimme rufst du mir etwas nach, doch ich drehe mich nicht um, schlendere gemächlich durch die Straßen und atme auf. Ich bin wieder frei. Endlich! Nicht länger gebunden. Wie werde ich das genießen! Du mußt nicht glauben, daß du etwas Besonderes gewesen wärst. Mehr als genug Ersatz gibt es für dich! Als würde ich dich brauchen!

Ich lache laut heraus, doch es klingt bitter. Du stehst da hinten und weinst. Du! Du warst doch diejenige, die Schluß gemacht hat, oder nicht? Was für einen Grund solltest du haben zu heulen. Du hast doch ihn! Verdammt! Ich bin derjenige, der übrig bleibt. Der nicht mehr gut genug ist. Plötzlich. Von einer Sekunde auf die andere. Warum heulst dann du? Warum du?

Ich sitze zu Hause und sehe aus dem Fenster. Und ich weiß, du bist jetzt bei ihm. Du sagst ihm all die Dinge, die du mir gesagt hast. Und es beißt plötzlich in meinen Augen. Klar, mir ist eine Fliege reingeflogen. Ich wische sie schnell heraus. Mehr war das doch nicht. Mehr doch nicht. Und ich versuche überlegen zu lachen.

Du wolltest mir ein Foto von ihm zeigen. Ich habe drauf verzichtet. "Das muß ich mir nun wirklich nicht antun" habe ich gesagt und gelacht dabei. Doch jetzt tanzen seine möglichen Gesichter wie Schatten um mich. Und ich zermartere mir den Kopf, wie er wohl ist, was du an ihm findest. Wo überall er besser ist als ich. In deinen Augen jedenfalls. Deinen total unmaßgeblichen Augen. Deinen Augen, die ich nie wieder sehen werde...

Wie kann das vorbei sein, so plötzlich, die Blicke, mit denen du mich immer angesehen hast. Die Liebe, die so selbstverständlich war... Das alles ist vorbei, einfach vorbei. Hat sich aufgelöst, wie der Schleier, den ich jetzt von meinen Augen wische. Ich sehe wieder klar. Und greife nach einer Flasche, die auf dem Tisch steht. Ich schmecke nicht, was in ihr ist. Ich stürze es hinunter.

Ich weiß, daß du jetzt lachst, mit ihm. Und ich sitze da. Und beiße mir auf die Lippen. Mir ist schlecht. Und dann muß ich doch weinen. Und meine Stimme stirbt mir ab, als ich laut sagen will: Es war nichts Besonderes, wirklich nicht. Du warst wie jede andere. Und jetzt ist es eben vorbei. Vorbei. Für immer.



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